Wer sich schon immer gefragt hat, was Deutschland an Sehenswürdigkeiten
eigentlich zu bieten hat, der kann sich bei einer Reise von den Bergen
zur Küste von der Vielfalt Deutschlands überraschen lassen.
An den Anfang einer solchen Reise sollte man die Hauptstadt Bayerns
stellen, und die gotische Frauenkirche mit ihren weithin erkennbaren
Kuppelhauben in München besuchen. Der spätgotische Kirchenbau aus den
Jahren 1468-94 wurde während des Zweiten Weltkriegs teilweise zerstört
und die Schäden wurde in mehreren Phasen bis in die neunziger Jahre
hinein rekonstruiert. München bietet weiterhin den Marienplatz mit dem
Glockenspiel des Neuen Rathauses, die Pinakothek der Moderne sowie eines
der schönsten Schlösser weltweit, das Schloss Nymphenburg aus dem
17.Jahrhundert.
Im Süden Deutschlands warten jedoch noch weitere bekannte Schlösser auf
Besucher aus der ganzen Welt, so zum Beispiel die Königsschlösser
Hohenschwangau und Neuschwanstein. Schloss Neuschwanstein ist das
berühmte Märchenschloss König Ludwigs II. Auch die Preußenburg
Hohenzollern mit ihrem wunderbaren Blick auf die Schwäbische Alb
befindet sich in Baden-Württemberg. Bereits Kaiser Wilhelm II. sagte:
„Die Aussicht von der Burg Hohenzollern ist wahrlich eine weite Reise
wert“.
Doch Süddeutschland hat mehr als Burgen und Schlösser zu bieten.
Die Stadt Konstanz am Bodensee bietet eine historische Altstadt aus dem
12. Jahrhundert, die seit dem Mittelalter fast unverändert geblieben
ist, da Konstanz aufgrund der Nähe zur Schweiz nicht bombardiert wurde.
Entgegen der geschichtsträchtigen Bauten wurde die Universität auf dem
Gießberg 1967 im bunt-geometrischen Stil der Zeit errichtet. Im Saarland
findet sich die römische Villa Borg, eine der größten römischen
Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum und im selben Bundesland befindet sich
auch die Völklinger Hütte, die 1994 als erstes Industriedenkmal dem
Weltkulturerbe der UNESCO zugerechnet wurde. Ein weiteres Weltkulturerbe
stellt das größte erhaltene Altstadtensemble Europas dar: die Altstadt
Bambergs mit 2400 denkmalgeschützten Häusern und dem jahrhundertealten
Gärtnerviertel.
Und nahe Frankfurt am Main steht ein Gotteshaus besonderer Art, eines
das den Anhängern aller Religionen zum gemeinsamen Gebet offen steht:
das europäische Haus der Andacht der Bahá'í in Hofheim am Taunus.
Errichtet 1964 von Teuto Rocholl besitzt es 140 diamantenförmige
Fenster.
Nicht als Weltkulturerbe, doch aber als höchster Kirchturm der Welt,
thront mitten im Zentrum der Stadt Ulm der 161 Meter hohe Westturm des
gotischen Münsters, immerhin die zweitgrößte gotische Kirche
Deutschlands. Die größte ist der Kölner Dom, welcher als Meisterwerk
gotischer Architektur und als einer der bedeutendsten Kirchenbauten des
Christentums gilt. Etwas weiter westlich, am Dreiländerdreieck, befindet
sich die Begräbnisstätte Karls des Großen in der Krönungskirche der
Ottonen, dem Aachener Dom, in welchem auch heute noch die großen
Aachener Krönungsreliquien aufbewahrt werden. Ganz in Kölns Nähe
befindet sich dann die Stadt Essen mit dem Zeche Zollverein, der als
Wahrzeichen des Ruhrgebiets und als technisches Meisterwerk der
Montanindustrie gilt. Als Beispiel sich entwickelnder Schwerindustrie
erhalten Besucher heute direkten Einblick in die Steinkohleförderung.
Wer von Westen nach Osten reist, trifft in Dresden auf einen weiteren
Höhepunkt des deutschen Kirchenbaus. Die protestantische Frauenkirche in
Dresden wurde 1945 zerstört und blieb als Mahnmal gegen Krieg und
Zerstörung als Ruine erhalten. Erst 2005 wurde der Wiederaufbau
abgeschlossen und dient seitdem wieder als Gotteshaus. Dresden ist
außerdem für den berühmten Zwinger im Zentrum der Altstadt bekannt.
Dieser bedeutende Bau des europäischen Spätbarock beherbergt heute eine
der herausragendsten Kunstsammlungen Europas. Allein die Gemäldegalerie
zieht jedes Jahr ungefähr 400.000 Besucher an. Direkt neben dem Zwinger
befindet sich mit der Semperoper ein weiteres berühmtes Gebäude. Als ein
Höhepunkt der europäischen Theaterarchitektur des 19. Jahrhunderts hat
die Sächsische Staatsoper Dresden ihren Spitznamen dem Baumeister
Gottfried Semper zu verdanken.
In Thüringen kann man dann einen zentralen Ort der Reformation
besichtigen, an dem Martin Luther das Neue Testament übersetzte: die
Wartburg. Der Wartburg angegliedert ist ein 5-Sterne-Hotel, in welchem
man sogar standesamtlich heiraten kann. Ebenfalls in Thüringen befindet
sich mit der Stadt Weimar das Herz der deutschen Literatur. Hier stehen
Goethes Wohn- und Gartenhaus, Schillers Wohnhaus und die Anna-Amalia
Bibliothek. Die große Bibliothek wurde von Herzog Wilhelm Ernst im Jahr
1691 gegründet und umfasste vor dem verheerenden Brand im Jahr 2004 etwa
1.000.000 Bände. Aber in Weimar kann man sich auch mit einem ganz
anderen Teil deutscher Geschichte auseinander setzen, indem man die
Gedenkstätte Buchenwald besucht. Hier dient das ehemalige
Konzentrationslager der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
Weiter nördlich befindet sich in Dessau das Bauhaus, jene einflussreiche
Kunst- und Architekturhochschule des 20. Jahrhunderts mit den
Meisterhäusern, in denen einflussreiche Künstler des Bauhauses wie Klee,
Kandinsky oder Schlemmer lebten und arbeiteten.
Noch weiter nördlich gelangt man in Brandenburg schließlich zum Paradies
der preußischen Herrscher: Potsdam. Die berühmten Schlösser und Gärten
der Stadt wurden in über drei Jahrhunderten von Künstlern wie Lenné im
Auftrag der Herrscher errichtet. Besonders hervorzuheben ist sicherlich
das Schloss Sanssouci im Stil des Rokoko. Potsdam gilt auch als die
italienischste Stadt Deutschlands, was dem überragenden Einfluss
italienischer Architekten seit Friedrich II. zu verdanken ist. So wurde
der Alte Markt einer Piazza nachempfunden, die Fassaden der Häuser
wurden mit italienischen Kupferstichen geschmückt und viele Villen im
italienischen Stil entstanden besonders im Norden Potsdams.
Ganz in der Nähe der Landeshauptstadt befand sich in dem kleinen Ort
Caputh in den Jahren 1928 bis 1932 das Sommerhaus Albert Einsteins. Erst
seit Mai 2005 ist das Einsteinhaus für die Öffentlichkeit wieder
zugänglich und dient heute als Museum. Auch nach Einstein benannt wurde
das Observatorium auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Errichtet von Erich
Mendelsohn sollte hier die Gültigkeit von Einsteins Relativitätstheorie
experimentell bestätigt werden.
Ganz in der Nähe, in der Metropole Berlin, besuchen jährlich tausende
Besucher das Jüdische Museum von Daniel Liebeskind, das als Meisterwerk
in die Museumsarchitektur eingegangen ist. Seit 2005 ist das Denkmal für
die ermordeten Juden Europas ein Muss bei Besuchern der Hauptstadt. In
unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor liegt es auf 19.000 m² und
zieht jährlich mehrere Millionen Besucher an. Ebenfalls ein
Besuchermagnet ist der Potsdamer Platz, der mit seinen futuristischen
Bauten im Kontrast zu den historischen Gebäuden der Umgebung steht. Hier
befindet sich das stahl- und glasdominierte Sonycenter. Im Herzen der
Stadt, nahe dem Potsdamer Platz, steht der Reichstag mit Sitz des
Deutschen Bundestages und seiner für Besucher begehbaren Glaskuppel als
beliebtestem Publikumsmagneten Berlins. Direkt daneben befindet sich der
1793 errichtete Sandsteinbau des Brandenburger Tors, der bis 1989 Ost-
und Westberlin teilte.
Und wer sich von Berlin trennen kann, den sollte es nach Niedersachsen
ziehen. Hier legten die Kurfürsten Hannovers im 17. - 19. Jahrhundert
eine einzigartige Gartenanlage in französischem Stil und barocker Kunst
an, die Herrenhäuser Gärten. Hier befindet sich auch einer der ältesten
botanischen Gärten Deutschlands, der Berggarten und hier gibt es die
artenreichste Orchideensammlung Europas.
Wer es dann bis in den hohen Norden geschafft hat, sollte sich auf
keinen Fall das Wahrzeichen Hamburgs entgehen lassen, die 1,5 Kilometer
lange Speicherstadt. In wilhelminischer Backsteingotik werden hier die
Fassaden des weltweit größten auf Eichenpfählen errichteten
Lagerhauskomplexes geschmückt. Wo früher ausschließlich Kostbarkeiten
aus aller Welt lagerten, finden heute auch Ausstellungen statt, welche
die Geschichte der Speicherstadt erläutern.
Und ein Wahrzeichen anderer Art findet man mit dem rot-weißen Leuchtturm
mit beidseitigen Wärterhäuschen auf der Halbinsel Eiderstedt in
Schleswig-Holstein. Wer die 157 Stufen des Leuchtturms erklommen hat,
dem bietet sich eine einzigartige Sicht über die Nordseeinseln.
In Bremen sollte man sich das Museum "Universum" nicht entgehen lassen.
Dort wird einem das Gefühl suggeriert, sich in einer Gebärmutter zu
befinden.
Und weiter östlich erwarten den Reisenden dann die 15 Kilometer langen
und 120 Meter hohen leuchtend weißen Kreidefelsen der Halbinsel Jasmund
mit dem Königsstuhl als schönstem Aussichtspunkt dieser malerischen
Natur Rügens.
