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Die US-Immobilienkrise


Autor: JustusK | verfasst am 2008-10-07 | 774 mal gelesen

In diesen Tagen werden die Schlagzeilen der Medien von Begriffen wie Immobilienkrise, Bankenkrise oder Finanzkrise dominiert. Die derzeitige Existenznot vieler großer US- Banken ist kein plötzlich entstandenes Phänomen sondern hat seine Ursprünge vor allem in dem US- Immobilienmarkt. Um zu verstehen wie es zu dieser Krise des amerikanischen Immobilienmarktes kommen konnte, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. So führten schlechte Aktienkurse im Jahr 2000 zu einer Börsenkrise, welche viele Anleger dazu veranlasste ihr Vermögen nicht mehr in unsichere Aktien, sondern in bis dahin als sicher geltende Immobilien zu investieren. Dieser Trend wurde auch von der US- Regierung erkannt. Das Geschäft mit den Immobilien sollte genutzt werden um die damals schwächelnde US- Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Kreditnehmer konnten Häuser kaufen oder bauen ohne zunächst einmal einen einzigen Dollar selbst dafür bezahlen zu müssen. Die Folge war ein Boom im US- Immobiliensektor. In den Jahren von 2000 bis 2006 lag das Wachstum an Immobilien in den USA teilweise sogar höher als das Bevölkerungswachstum. Viele Bürger, welche eigentlich nicht die finanziellen Möglichkeiten dazu hatten, verwirklichten sich den Traum vom Haus. Eben hier witterten die Kreditinstitute weitere Gewinnchancen. Flexible Kredite, welche 100% des Eigenheims finanzierten wurden ohne größere Absicherung auf immer kompliziertere Weise gewährt. Als einzige Sicherung diente dem Kreditgeber die Hypothek auf das Haus. Günstige Zinsen machten das Geld zudem „billig“. Mithilfe solcher Kredite konnten so auch Bürger mit geringer Bonität Immobilien kaufen. Dies führte zu einer raschen und starken Vergrößerung des sogenannten Subprime- Sektors. Subprime Kredite(zweitklassiger Kredit) sind Hypothekenkredite, welche an Menschen ausgezahlt werden, deren Kreditwürdigkeit als gering einzuschätzen wird. Auch die auf Spekulationen mit Immobilien ausgerichteten Hedge- Fonds sahen in diesem Immobilienboom große Gewinnchancen, da die Häuser ständig an Wert zulegten. So wurden mit der Zeit für immer mehr Geld Immobilien erworben, bei denen eine Aussicht auf Wertanstieg bestand. Dieser gefährliche Kreislauf funktionierte nun solange, wie die Immobilien durch eine hohe Nachfrage an Wert gewannen und die Rückzahlungszinsen der Kredite niedrig waren. Das Blatt wendete sich jedoch mit der Erhöhung des Leitzinses durch die Fed(Notenbank) Jahre 2004. Dies brachte vor allem die Immobilieninhaber aus dem Subprime- Segment in größte Schwierigkeiten. Diese waren aufgrund ihrer geringen Bonität sowieso schon gefährdet die Darlehen nicht zurückzahlen zu können. Der Anstieg des Leitzinses machte eine fristgerechte Rückzahlung nun in vielen Fällen unmöglich. Die Folge war, dass die Banken von ihrer einzigen Absicherung Gebrauch machen mussten und das Eigentum an den Häusern bekamen, um diese zu verkaufen und somit die Kreditausgaben wieder ausgeglichen werden konnten. Für viele Menschen platzte der Traum vom Eigenheim. Desweiteren stoppten ab 2006 allmählich Bauprojekte, die Nachfrage sank und Immobilien legten nicht mehr kontinuierlich an Wert zu. Dieser Zustand stellte dann auch die Banken, Investmentbanken und Hedge- Fonds vor große Probleme. Da die Häuser stetig an Wert verloren, konnten die Banken ihre Kreditausgaben nicht einmal mehr ausgleichen. Auch die Hedge- Fonds mussten große finanzielle Verluste erleiden, da durch Spekulationen Immobilien erworben wurden, welche mit ihrem aktuellen Wert nicht einmal annähernd in den Bereich des vorgestellten Wiederverkaufswertes fielen, sondern weit darunter lagen. Die fatalen Folgen der US- Immobilienkrise, in dessen Zentrum die Banken stehen, treten in den letzten Monaten besonders deutlich zu Tage. Aus einem unübersichtlichen Gebilde bestehend aus Schulden und Schuldnern fällt nach und nach ein Hedge- Fond oder eine Investmentbank heraus, die Insolvenz anmelden muss. Auch große US- Banken müssen mithilfe von großzügigen Finanzspritzen kurzfristig vor dem Bankrott gerettet werden. Viele Banken weigern sich jetzt aus Angst vor neuer Verschuldung Kredite herauszugeben. Dies führt allerdings dazu, dass zahlreiche loyale Projekte, die zu Beginn auf eine Kreditunterstützung angewiesen sind nicht durchgeführt werden können. Die Auswirkungen dieser Immobilienkrise sind daher auch von weitreichender Natur. Die Privatinsolvenz von ca. 3 Millionen US- Bürgern und die geringe Kreditvergabe der Banken führt zu einer wahren Konsumflaute. Ein schwacher US- Dollar und schlechte Aktienkurse sind ebenfalls eine Folge. Dies alles berührt die US- Wirtschaft, von der die gesamte Weltwirtschaft beeinflusst wird, im massiven Umfang negativ. Fraglich ist, inwiefern die verantwortlichen Banker für ihre Versäumnisse und Blockaden zur Rechenschaft gezogen werden. Fest steht: Die Folgen werden weltweit vor allem die Steuerzahler zu spüren bekommen. Es bleibt zu hoffen, dass durch den Zusammenbruch der WallStreet die Wunde nicht allzu schnell heilt und deutlich ihre Spuren hinterlässt, denn nur so kann das nötige Feingefühl im Immobiliensektor wieder einkehren.