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Enceladus, ein kleiner aber interessanter Mond des Saturn


Autor: Dr. H. Sulzer | verfasst am 2007-10-13 | 224 mal gelesen

Enceladus ist ein Mond des Riesenplaneten Saturn und aus planetologischer und astrobiologischer Sicht eines der interessantesten Objekte im gesamten Sonnensystem. Der Mond durchmisst gerade einmal etwa 400 Kilometer und war für die Astronomen bis zur Heraufkunft der robotischen Raumfahrt aufgrund der Entfernung lediglich ein Lichtpünktchen, das um den Ringplaneten kreiste. Bereits die ersten Vorbeiflüge der Pioneer- und später der Voyager-Sonden am Saturn erbrachten jedoch gerade hinsichtlich des so kleinen Enceladus eine grosse Überraschung, liessen doch schon die ersten Aufnahmen eine unerwartete und ungewöhnliche Oberflächenstruktur des Himmelskörpers erkennen. Statt der erwarteten Kraterlandschaft eines seit Entstehung des Sonnensystems weitgehend unveränderten und geologisch toten kleinen Mondes, waren globale Strukturen
in Form von Spaltensystemen und Furchen zu erkennen, die, weil kaum verkratert, relativ jung sein mussten und offensichtlich auf rezente, das heisst bis heute andauernde tektonische Vorgänge im Inneren des Satelliten hinwiesen. Als Antrieb für die Prozesse, die sich auf der Oberfläche des Mondes abbilden, kann nur dieGezeitenkraft des nahen Saturn in Frage kommen, die den Himmelskörper auf seiner
elliptischen Bahn um den Planeten regelrecht "durchknetet" und für genügend innere Reibungshitze sorgt, um eine Massenbewegung in einem sonst
als starr zu erwartenden Körper in Gang zu halten. Enceladus ist viel zu klein und mit einer Dichte, die nur wenig über der von reinem Wasser liegt, auch viel zu leicht, um, etwa wie die Erde oder die anderen terrestrischen Planeten, durch die Anhäufung radioaktiver Elemente im Kern genügend eigene Wärme für tektonische Vorgänge zu erzeugen. Durch die neuesten und zum Teil höchst detaillierten Nahaufnahmen und andere Messungen der Saturnsonde Cassini ist inzwischen ein recht genaues Bild der Vorgänge auf dem Enceladus entstanden. Unter der eisigen, von Gräben und Spalten zerfurchten Oberfläche des Mondes, muss es flüssiges Wasser oder zumindest flüssige Gemische aus Ammoniak und salzhaltigem Wasser geben,
deren Bewegungen im Untergrund die Oberfläche immer wieder neu formen. Nachgewiesen ist inzwischen auch, dass diese Flüssigkeiten konstant an Spalten als Nebel oder Dampf ähnlich irdischer Geysire an der Oberfläche austreten und wegen der minimalen Schwerkraft des Enceladus wenigstens zum Teil in den Weltraum entweichen. Sie speisen dort den schwachen E-Ring des Saturn und legen sich offenbar als heller Niederschlag auf der Oberfläche anderer Monde des Saturn ab. Ungeklärt ist bisher, wo genau sich die Eise des Satelliten verflüssigen, möglich wäre es, dass entweder
Eis nur durch die Relativbewegungen an Spalten verflüssigt wird und das Mondinnere eher aus zähem, weichen Eis besteht oder aber dass wenige Kilometer unter der Oberfläche
sogar ein ganzer Ozean aus Wasser besteht, also das gesamte Innere des Enceladus flüssig ist. Weil flüssiges Wasser nach bisherigem Erkenntnisstand eine Voraussetzung für
die Entstehung beziehungsweise den Erhalt biologischer Aktivität zu sein scheint und in den Ausgasungen des Mondes auch bereits biochemische Verbindungen nachgewiesen werden
konnten, ist Enceladus neben dem zwar viel größeren, aber sonst nicht unähnlichen Jupiter-Eismond Europa und dem extrem exotischen riesigen Saturnmond Titan wohl einer
der aussichtsreichsten Kandidaten für die zukünftig zu erwartende Entdeckung ausserirdischen Lebens im Sonnensystem.